Harte Landung
Grenzerlebnisse
Zwei Erzählungen
Edition KoCheck
105 Seiten, € 13,50
ISBN 978-3-9502628-1-0
Weiters erhältlich
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Harte Landung - Presse, Rezensionen
TIROLER GEGENWARTSLITERATUR
Harte Landung
Hilf dir selbst, sonst hilft dir Gott. So in etwa könnte die Grundbotschaft jener beiden Erzählungen lauten, die den
Ich-Erzähler an jene Grenze gebracht haben, hinter welcher entweder das Jenseits oder die irdische Verstümmelung warten.
Reinhard Kocznar steckt teils autobiographische Erlebnisse einem Ich-Erzähler in den Holster, und die Erzählungen sind
durchaus scharf geladen.
Der Alptraum jedes Ich-Erzählers ist die Lähmung, das Erwachen ohne logische Verknüpfung, das Herumschwirren eines losen
Partikels im Weltraum. Das Aufwachen in einer Intensivstation ist etwa so lustig wie das Strampeln eines Käfers, zu welchem in
Kafkas Verwandlung Gregor Samsa über Nacht geworden ist. Unter „Neustart“ stellt sich der Leser oft eine Karriere in
der Liebe oder in der Wirtschaft vor, hier gilt es, die zertrümmerten Körperteile wieder in Schuss zu bringen, den
Lebenswillen zu finden und Kontakt zur früheren Außenwelt herzustellen. Teilweise helfen Textpartikel aus der Weltliteratur,
teilweise zischen zynisch Zeilen aus aktuellen Pop-Songs durch den Kopf des Delinquenten der Intensiv-Medizin. Allmählich lichtet
sich das Sein, der Erzähler hatte einen formidablen Verkehrsunfall, in dessen Folge man beispielsweise das Bremspedal aus dem
Fuß des Verunglückten schneiden musste. In ersten Bewegungen schielt der Verunfallte auf die Nachbarbetten und sieht, dass
man hier selbst zum Überlebenswillen greifen muss, sonst geht die Geschichte nicht gut aus. Ein Foto der kaputten Fahrzeuge
beendet die Erzählung mit der Botschaft: So zertrümmert kann etwas gar nicht sein, dass sich nicht daraus ein Neustart
entwickeln ließe.
In der zweiten Erzählung erlebt der Erzähler einen Tinnitus, den er punktgenau mit Liedern bekämpft wie „The Sound
of Silence“ und „What a beautiful Noise“. Logischerweise heißt diese Erzählung „Beautiful
Noise“ Diese Ohrwürmer entwickeln sich zu einem perfekten Medikament, wenn es gilt, einen hässlichen Grundton zu
überblenden. Natürlich kann die Schulmedizin in so einem Fall recht wenig tun, der Erzähler muss wieder einmal selbst
den eigenen Ohren Beine machen. Denn die Hilfsmittel von außen gleichen irgendwie einer Versicherung, man ist froh, wenn man sie
hat, aber wenn man sie braucht, steigt sie aus.
In einem Abspann werden diese Lyrics kommentiert, eine völlig neue Methode, das Geniale von Pop-Songs durch die Verknüpfung
mit Grenzerlebnissen des Hörers darzustellen.
Reinhard Kocznars „Harte Landung“ geht dem Leser durchaus unter die Haut, liegt er doch wie der Protagonist authentisch
gelähmt und zerstört im Text. Aber der Grundsound ist aufbauend: Du musst da selbst raus, sonst ist es aus!
Reinhard Kocznar: Harte Landung. Grenzerlebnisse. Erzählungen.
Helmuth Schönauer 11/08/08
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